Sonntag, 18. August 2013

13. Wiener Brief 2.0

Die „13“.  Soll ja angeblich Unglück bringen. Aber den schönster aller Beweise, dass dem nicht so ist, habt ihr ja vor euch ;-).

Es ist soweit, es ist vollbracht. Zwar nicht in aller letzter Konsequenz, aber immerhin mit einer erstaunlich progressiven Erstphase. Auch wenn man heute weder weiß, ob es in dieser Form weitergehen, in geänderter Form fortgesetzt, oder ganz zurück an den Start geht, so finde ich es einen durchaus mutigen Start.
DIE Einkaufsstraße in Wien, die Mariahilferstraße wurde letzten Freitag (ich hab mal gehört, man sollte die Wendung „letzte“ in solch einem  Zusammenhang tunlichst vermeiden, das könnte angeblich dazu führen, dass das Weltuntergangsverschwörer als Auslöser verstehen könnten und sich in den Tod stürzen) zu einer Fußgängerzone. Aber eben nicht die ganze Straße (falls es jemanden interessiert, wir sprechen hier nur vom inneren Teil der Mariahilferstraße, der äußere Teil ist Teil der Außenbezirke und somit per se uninteressant ;-) ).
Die Straße wurde in drei Zonen unterteilt. In der Mitte die Fußgängerzone. Nur bitte die Bezeichnung dieser Zone nicht zu wörtlich zu nehmen, da man ansonsten relativ rasch Opfer einer Radfahrers wird, dem die Nutzung ebenso wie dem Linienbus zugestanden wurde. Eben jener hat eine eigene Spur bekommen, die nun, um sie deutlich von den anderen Verkehrsflächen zu unterscheiden, in herzhaften Rot schillert. All jenen die diesen rot markierten breiten Strich entlang der Fahrbahn als roten Teppich missinterpretieren, oder gar als neue von offizieller Stelle ausgewiesene Fläche verstehen, um ihre Körper feil zu bieten, sei der Verwendungszweck des Strichs auf der Straße als Busspur nochmals deutlich vor Augen geführt.
Die beiden Enden der Straße schließen sogenannte Begegnungszonen ab. Noch nie gehört? Ich bis vor kurzem auch nicht. Aber die Entscheidung des Umbaus der gesamten Straße in eine Verkehrsberuhigte vollzog sich auch nicht von heut auf morgen. Und um dem grantelten Wiener die Maßnahme etwas schmackhafter zu machen, wurde vorab versucht zu informieren. Und siehe da, da wurde auch die Begegnungszone erklärt. Und wie man später noch erfahren wird, war das gut so, dass ich zumindest die Grundidee schon mal gehört habe.
In der Begegnungszone, nomen est omen, begegnen sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer. Toll, nicht? Aber der Unterschied zu den normalen Verkehrsflächen ist jener, dass sich alle auf der gleichen Fläche begegnen (also nicht bis zum Körperkontakt, sondern möglichst nur bis zu einem Mindestabsabstand). Es gibt keine bauliche oder farbliche Trennung mehr. Jetzt kann natürlich behauptet werden, das gibt’s eh schon sonst auch. Aber ich rate dringendst von Selbstversuchen ab, dies auf normalen Straßen auszuprobieren, da zieht der mit dem wenigsten Blech um sich herum immer den Kürzeren. In der Begegnungszone ist aber jeder der Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt, ja selbst die Verkehrsteilnehmerinnen ;-). Einzig die Rechtsfahrordnung (und ich nehme an Rechtsgehordnung) und rechts vor links gilt. Und eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h (die Sprinter mögen sich bitte andere Straße zum Training aussuchen).
Mein erster Lokalaugenschein am Freitagvormittag (Fenstertag und damit für zumindest mich frei) zeigte deutliche Verunsicherungen auf der Straße. Was darf ich, was nicht. Es zeigte sich aber, dass vor allem die Fußgänger sichtlich mutiger wurden und große Teile der Fahrbahn nutzten. Was sich für mich am Nachmittag als Nachteil meinerseits herausstellen sollte.
Wir planten nämlich eine Nacht in Graz zu verbringen und da uns die Bahn aktuell nicht mehr mit konkurrenzfähigen Preisen und Reisezeiten lockt, wurde für diesen Zweck ein Mietwagen ausgeborgt. Als in Wien lebende und arbeitende Stadtmenschen wäre ein Auto zu besitzen weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Für die paar Male im Jahr wird eines gemietet. Für einen Garagenplatz (nein, ein öffentlicher Parkplatz in den inneren Bezirken ist keine Alternative, da diese Form des Fahrzeugabstellens so gut wie vom Aussterben betroffen ist und schon lange auf der rote Liste stehen sollte) kostet mich mehr als ein langes Wochenende mit einem gemieteten Auto. Von den sonstigen anfallenden Kosten rund ums KFZ gar nicht erst zu sprechen.
Also rein zum Autovermieter meiner Wahl und schnell das Auto gecheckt. Alles rucki zucki. Nur die Fahrt in die Wohnung zur Verladung des Gepäcks, wir übernachteten ja wie erwähnt einmal ;-), war nicht wie sonst. Eh schon wissen, die Begegnungszone. Da fahre ich geschätzte fünf (in Ziffern: 5) mal im Jahr mit nem Auto und ich hab nichts Besseres zu tun, als schnurstracks in die neue Quasi-Fußgängerzone zu fahren die genau noch nicht mal einen Tag alt ist. Alles andere wäre ein zu großer Umweg gewesen und hätte damit der Umwelt geschadet ;-).
Und ich kann behaupten, dass diese Zone der Begegnung eine wirkliche Herausforderung ist. Nicht weil ich einen zwar fast neuen aber auf der Brust schwachen Wagen bekommen habe und ich nicht die 20 km/h schaffte, nein das war kein Problem (in der 2en bei 4000 Touren). Aber die Fülle an verschiedenen Verkehrsteilnehmern die nicht so genau wussten was sie durften und ich, der wie gesagt nicht mehr so oft hinterm Steuer sitzt, war schon nicht unspannend. Zum Glück hatte ich nur einen kurzen Abschnitt in jener Zone und war heilfroh wieder draußen zu sein.
Zurück aus Graz mussten wir uns natürlich noch mit Lebensmittel aller Art eindecken. Die große mich seit Jahren begleitende Angst vorm unkontrollierten Abnehmen verfolgt mich nach wie vor. Und was liegt da näher, als mit dem Auto in unsere neue Fußgänger-/Begegnungszone zu fahren, um dort einzukaufen. Ich habe seit gut zwei Jahren kein Auto mehr und war seit jeher ein Verfechter der Idee einer Fußgängerzone, aber kaum sitze ich in so einem Ding drin negiert sich plötzlich alles und ich schimpfe und hupe mich im Schneckentempo durch die Straße, die ich morgen bei meinem Weg von der Arbeit nach Hause wieder als Fußgänger nutzen, lieben und als solcher verteidigen werde.
Ich wäre nicht mehr überrascht, wenn hinter der Erfindung und Verbreitung des Autos eine größere, böse Macht stecken würde als gemeinhin angenommen wird.
Stefan 

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